16 - Vincent:
Ich kotze.
Echt jetzt.
Ich kotze Tomate direkt vor die Füße.
Mir ist schwindlig. Ich stütze mich auf den Knien ab und muss erstmal wieder Luft in die Lungen lassen. Was für eine beknackte Idee, tausend Meter in einem Tempo zu laufen, als wären es hundert. Barfuß. Hatte ja keine Ahnung, dass wir auf’m Sportplatz rumrennen. Ich dachte, wir haben heute Schrauberkurs und mit Straßenschuhen darf man nicht auf die Aschenbahn. Nach der ersten Runde brennt dieses Barfußgelaufe richtig an den Sohlen, also lieber schnell hinter sich bringen. Weil, sich auf dem Rasen flachlegen wie Kallo? No way.
Würde gerne mal wissen, was Tomate hat, der kriegt sich gar nicht mehr ein mit seinem drei null, drei null… mir ist auch immer wieder mal schwarz vor den Augen, manchmal wird’s so dunkelgrün mit rot wabernden Punkten … jetzt kommen auch noch alle her und klopfen mir auf die Schulter, echt nicht angenehm. Also eigentlich schon irgendwie, aber halt im Moment gerade nicht, weil, wenn mir jetzt noch einmal einer auf den Rücken klopft, muss ich sofort wieder kotzen.
Langsam versteh’ ich, was die meinen.
Drei Minuten, null Sekunden scheint eine gute Zeit zu sein.
Aber ich hab’ keine Ahnung. Wie damals beim ersten Schwimmunterricht in der Fünften. Alle Schwimmer da rüber, alle Nichtschwimmer zu mir, hat der Sportlehrer gesagt. Ich also rüber zu den Nichtschwimmern. Und dann sollten wir einmal quer durchs Becken schwimmen, also nicht die lange Bahn, sondern einfach mal quer rüber. Vielleicht zehn Meter, keine Ahnung. Ich also rein ins Wasser, paddel rüber wie ein junger Hund und der Schwimmlehrer so „Du gehst zu den Schwimmern“.
Ich so voll verzweifelt: „Aber ich kann doch gar nicht…“
„Rüber!“
Und dann sollten wir fünfzig Meter auf Zeit schwimmen.
„Ich kann das nicht, ich gehe unter!“
Aber keine Chance.
Auf die Plätze, fertig, los.
Also rein, lausiger Bauchplatscher, dann Kopf unter Wasser und einmal durchs Becken, diesmal der Länge nach, ist ein kleines Becken, zum Glück, knapp siebzehn Meter, Luft holen, wenden und siebzehn Meter zurück, Luft holen und nochmal wenden, siebzehn Meter und endlich fertig und wieder Luft geholt.
„52,3“, sagt der Schwimmlehrer. „Am Dienstag zum Training!“
Scheint also auch eine gute Zeit gewesen zu sein. Aber das hat man dann davon: jeden Dienstag Schwimmtraining! Ich könnt’ kotzen. Wäre ich mal bloß langsamer geschwommen… aber ging eben nicht, ich mein’, ich musste ja irgendwann Luft holen und das konnte ich nur bei der Wende.
„Muss ich jetzt zum Training?“
Tomate sagt nichts, schaut mich nur staunend an.
„Wäre ich mal bloß langsamer gelaufen …“, nuschel ich vor mich hin.
„Wäre, wäre, Fahrradkette“, sagt Tomate und ich muss kurz nachdenken.