15 - Tomate:

Also, ich sag mal so, es gibt viel zu viel dicke Kinder. Das sage nicht nur ich, das sagen alle. Auch Wissenschaftler. Könnt ihr nachlesen. Und das liegt nicht nur am Essen. Das liegt auch an den Handys und zu wenig Sport. Deshalb gibt es bei uns eisern keine Handys.
Und eisern mehr Sport.
Weil, ich sag mal so, Sport wirkt.
Unsere Jungs sind ja schon ziemlich fit. Die Mädchengruppe auch. Aber die können natürlich noch fitter werden. Und vor allem ausdauernder. Mal kurz 100 Meter sprinten kann jeder. Aber über den inneren Schweinehund zu springen, oder wie sagt man, überwinden, kämpfen, durchhalten, auch wenn’s mal weh tut… zäh wie Leder eben, sagt man doch so, ja? Also darauf kommt’s an. Und deswegen fangen wir mal ganz gemütlich mit 1000 Meter an. Klingt erstmal viel. Ist aber, wenn man es genau betrachtet, nur ein Kilometer.
Einer!
Ein einziger.
Das ist lächerlich. Fast nichts!
Weil, Leute, ganz wichtig, der Kopf läuft mit. Das ist eine reine Einstellungssache.
Wenn ich mich so umschaue, dann sehe ich hier einige Vierer, vielleicht sogar ein paar Drei-Dreißiger. Manche sind zum ersten Mal dabei, Vincent zum Beispiel. Kallo ist schon länger da, aber den Kilometer ist er auch noch nie gelaufen. Lassen wir uns mal überraschen, wir sind gespannt.
Wir machen das ganz locker, kein Tiefstart aus den Startblöcken, kein Arsch in die Luft, sag ich mal, sondern klassischer Hochstart, ja? Also alle nebeneinander an der Startlinie aufstellen, dann kommt das Kommando „Auf die Plätze“ und alle gehen vor, ein Fuß hinter die Startlinie, Oberkörper leicht nach vorne und sobald alle bereit sind, kommt der Startschuss. Kein ‚Fertig, los‘. Beim Schuss rennt ihr los, als wäre der Teufel hinter eurer armen Seele her. Spaß. Trotzdem, bei einem Kilometer könnt ihr schon von Anfang an einigermaßen Tempo geben. Aber nicht zu viel, teilt es euch ein, ihr braucht noch Kraft für den Endspurt, also:
Auf die Plätze … Ganz schön laut, was?
Glock 17, 9 mm … Spaß. Nachbau. Schreckschusspistole.
Aber da sind schon ein paar ganz schön erschrocken.
So, ich laufe mal ein bisschen mit, dann kann ich vielleicht ein paar Tipps geben. Okay, hier haben wir die üblichen Verdächtigen, die kenne ich schon, Humbug, Tibor, Pitbull, alles potenzielle Drei-Dreißiger, gleich dahinter Kallo und Vincent, die sind viel zu schnell, das halten die nicht durch und dann kommt das breite Mittelfeld, also die Vierminüter… die lassen es langsamer angehen, aber trotzdem, wenn die dieses Tempo halten, dann laufen alle… lass mal rechnen, knapp 200 Meter, wir sind jetzt bei 30 Sekunden, also dann wären wirklich alle knapp über dem aktuellen Weltrekord. Und das, Leute, wird nicht passieren, also teilt es euch ein, geht runter mit dem Tempo, das könnt ihr eh nicht durchhalten… na, also, jetzt ein bisschen gemütlicher, so habt ihr wenigstens die Chance, überhaupt ins Ziel zu kommen… Und jetzt quatsch ich mal nicht so viel und wir laufen ein bisschen und konzentrieren uns auf den Atem und gleichmäßige Schritte, das muss ein bisschen was Rhythmisches kriegen, wie eine Maschine, eine Dampfmaschine, kennt heute keiner mehr… egal… hey, Kallo, was ist los?
Zu schnell gestartet und jetzt? Puste aus?
Komm schon, du Pussy!
Gibt’s ja nicht, lässt der sich einfach ins Gras fallen, gibt auf… und Vincent? Wie läuft’s? Nicht nachlassen, du bist gut in der Zeit…
einfach das Tempo halten… so ist’s gut…
schön gleichmäßig und ruhig…
Vincent, nicht! Vergiss es, das wird… das wird nichts…
Glaub ich ja jetzt nicht… der zieht an den Drei-Dreißigern vorbei…
sieht voll wütend aus, der kleine Vincent…
wütende kleine Dampflok…
ich bin jetzt mal leise…
brauch meine Puste…
und Vincent geht durchs Ziel… als erster.
Irre, oder?
Henry, sag mal, wie viel? Drei? Ja, drei ist schon klar, aber drei wie viel?
Wie Null?
Drei Null!