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# DreiNull 33 - Vincent
- URL: https://dreinull-roman.ghost.io/dreinull-33-vincent/
- Published: 2026-10-21T07:00:00.000Z
- Updated: 2026-10-21T07:00:00.000Z
- Author: Thomas Heinemann

**33 - Vincent:**

„Alles auf Pump! Wie soll denn das funktionieren? Muss man ja auch mal zurückzahlen, die ganze Kohle für, ich sag jetzt mal, Drogen, Demos, Love, Peace und Multikulti und den ganzen Scheiß. Machen die aber nicht. Gehen einfach in Rente und wir sollen jetzt alles bezahlen?“  
Tomate ist voll am Ausflippen. So kenn ich ihn gar nicht. Ich hab ihm eigentlich nur ganz leise sagen wollen, dass meine Mutter es nicht so gut findet, dass ich beim JungBund bin. Aber er hat mir jetzt keinen guten Tipp unter vier Augen gegeben, was ich da am besten machen kann, sondern hält uns allen schon seit einer Viertelstunde einen Vortrag über unsere Eltern und was die alles für Scheiße gebaut haben und dass wir auf die nicht mehr hören brauchen.  
Dabei haben wir eigentlich Schrauberkurs und wollen heute die Bremsen reparieren. Neue Beläge, Bowdenzüge einziehen und so, aber Tomate kriegt sich gar nicht mehr ein.  
„Was meint ihr wohl, warum es an unserem geheimen Waldweiher so schön ist? Weil er geheim ist. Wenn die Alten den kennen würden, hätten sie da schon längst ein Strandbad mit Pommes hin gebaut und auf dem See würde so ein bunter Regenbogenfilm aus Sonnenöl schwimmen. Und die wollen uns jetzt erklären, wie wir denken sollen? Was wir zu tun und zu lassen haben? Wenn wir immer auf unsere Eltern gehört hätten, säßen wir heute noch in der Höhle und würden den Lichtschalter suchen.“  
Alle schauen ihn fragend an.  
„Da wär aber keiner …“  
Alle warten.  
„ … weil den nämlich noch niemand erfunden hätte! Versteht ihr, was ich meine?“  
Jetzt gibt’s Gelächter und Tomate ist zufrieden, aber das hilft mir gerade echt nicht weiter.  
„Und noch was, echt wichtig, die Eltern von unseren Eltern, sag ich jetzt mal, die waren die Schlimmsten. Hippies, Punker, Rocker, was weiß ich … also Augen auf bei Oma und Opa!“  
Er schaut mich an und ich glaube, er merkt, dass ich irgendwie noch auf eine Antwort warte.  
„Also, Leute, DreiNull hat mich gerade gefragt, was er tun kann, wenn seine Mutter … also, macht euch da mal keinen Kopf, wenn die gegen den JungBund sind, das ist normal. Das sind Eltern.“  
Ja, okay, hab ich verstanden, aber … jetzt ist die Zeit vorbei, an den Bremsen machen wir nächstes Mal weiter.  
Tomate kommt zu mir, legt mir die Hand auf die Schulter und ich denke, jetzt wird er mir endlich im Vertrauen erklären, wie ich das mit meiner Mutter geregelt kriege, aber er fragt nur, wo Paul denn bleibt.  
Paul?  
Wieso denn Paul?  
„Der wollte doch mal vorbeikommen, neulich, als die arabischen Drogenticker ihm fast eine Bombe gegeben haben. Unsere Jungs vom Straßendienst können ihm echt helfen. Außerdem ist es doch, sag ich jetzt mal, echt lästig, wenn man in der Schule ständig Hofdienst hat.“  
Ich weiß nicht so richtig, was er meint.  
„JungBund ist freigestellt. Richt’ ihm das mal aus.“  
Das geht natürlich gar nicht. Meine Mutter hat schon den Button gefunden und blöde Fragen gestellt. Vielleicht hat sie sogar Paul davon erzählt, aber solange er nicht davon anfängt, mache ich es auch nicht, weil ich weiß, dass er die JuBus voll Scheiße findet. Klar, Aysha kommt ja eigentlich aus dem Iran und die JuBus finden halt Ausländer kacke. Und ich kann Paul natürlich auch verstehen, weil Aysha ist supercool und übertrieben schön, aber es gibt schon einige seltsame Gestalten unter den Ausländern. Aber Paul ist schon auch selbst schuld, warum läuft er auch um die Uhrzeit auf der falschen Seite vom Bahnhofsvorplatz rum. Ist doch kein Wunder, dass ihn die Ticker blöd anmachen.  
„Also, sag ihm einen schönen Gruß und er soll einfach mal vorbeischauen.“  
„Ja, richt’ ich aus“, sag ich, weil ich nicht weiß, was ich sonst sagen soll, und suche Kallo. Aber Kallo ist schon gegangen.