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# DreiNull 23 - Eva
- URL: https://dreinull-roman.ghost.io/dreinull-23-eva/
- Published: 2026-10-07T07:00:43.000Z
- Updated: 2026-10-07T07:00:43.000Z
- Author: Thomas Heinemann

**23 - Eva:**

Er macht’s spannend. 

Steht da und grinst wie ein Honigkuchenpferd, sagt aber erstmal nichts. Dann holt er sein Handy aus der Tasche, hält es hoch wie die Freiheitsstatue ihre Fackel und sagt: „Wir sind drin!“  
Wo drin? Wovon redet Paul?  
„International Dance Competition!“, sagt er, und alle holen ihre Handys raus, googeln rum und suchen und „Wahnsinn, Breakfast!“, kreischt Emily.  
Sie quietscht wie eine kaputte Bremse.  
„Seid ihr sicher, dass es Breakfast heißt?“, fragt Greta.  
„Ist doch scheißegal.“ Elif ist total niedergeschlagen, und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht warum. Ich meine, wir haben es bei der International Dance Competition in die Vorrunde geschafft.  
„Weil die machen Breakdance und zwar in schnell. Also muss es doch Break Fast und nicht Breakfast heißen!“ Greta lässt nicht locker. Aber sonst geht’s ihr gut.  
„Die sind Weltmeister, die nennen sich doch nicht Frühstück.“  
Und da hat Greta, glaube ich, unrecht. Die Namen der einzelnen Tanztruppen sind ungefähr so originell wie Friseure, die ihren Laden Hairgott nennen, oder Haarakiri. Außerdem ist die Truppe aus Frankreich und Franzosen sprechen kein Englisch, oder besser sie wollen nicht. Grand Nation und so.  
„Fuck…“, murmelt Elif und lässt den Kopf hängen, wie ein Ferkel, das erkannt hat, dass es nichts, aber auch gar nichts dagegen tun kann, dass es morgen Leberwurst sein wird.  
„Ist doch voll unfair, schon in der Vorrunde gegen die Weltmeister anzutreten.“  
Elif wieder.  
Unfair ist es eigentlich nicht, weil es ein ausgeklügeltes System gibt und man nicht gleich ausscheidet, wenn man eine Runde verliert.  
„Man kann doch eine unbekannte Truppe aus dem Münchner Bahnhofsviertel nicht gegen die Weltmeister antreten lassen.“  
Es heißt natürlich nicht Bahnhofsviertel, sondern Ludwigvorstadt, außerdem sind wir nicht alle aus dem Viertel, also ich zum Beispiel … aber die Bemerkung verkneif ich mir.  
„Klar kann man! Ist gut fürs Geschäft. Die FIFA weiß, wie das geht.“  
Paul sagt oft Sachen, die mich völlig verstummen lassen, weil ich mir dann so dumm vorkomme. Er ist sich seiner Sache immer so sicher und ich muss natürlich wieder überlegen: ‚FIFA? Das war jetzt noch mal wer oder was?’ Aber dann fällt es mir wieder ein.  
„Das ist doch Fußball…?“, frage ich unsicher und Paul schaut mich ganz verständnisvoll an. Als hätte ich ein Chromosom zu viel, und dafür könnte ich ja nichts.  
„Aber beim Fußball spielt doch auch nicht Unterhaching gegen Spanien. Ich mein’, es hat doch alles irgendwo seine Grenzen.“ Elif kann sich gar nicht beruhigen kann und Paul, der einzige hier, der vielleicht etwas Ahnung von Fußball hat, muss grinsen.  
„Scheiß auf die Grenzen!“  
Aysha plötzlich.  
„Die gibt es doch nur, weil alle sich dran halten. Man pinkelt doch nicht an den Baum, im Park oder hinterm Busch… aber Leute, wenn man doch muss? Was dann? Also scheiß drauf! Wenn wir antreten, gibt’s die Grenze nicht mehr, einfach weil wir’s tun. Alles klar?“  
Begeisterung bricht jetzt gerade nicht aus. Also legt Aysha nach.  
„Warum habt ihr Angst vor denen? Leute, die sind doch nicht Bayern München und kaufen sich jeden Monat die besten Tänzer, um Dauermeister zu bleiben! Das ist einfach nur eine Truppe aus einem Kaff bei Marseille. Vor zwei Jahren waren die auf einem Wettbewerb in Frankreich noch auf dem letzten Platz.“  
Paul hat die ganze Zeit mit seinem Handy verbracht. „Schaut euch das mal an“, sagt er und zeigt uns ein Video, das er gedreht hat. Vincent und dieser kleine Kallo laufen die Landwehrstraße entlang, wie zwei kampferprobte Fremdenlegionäre durch eine feindliche Stadt im Bürgerkriegsgebiet, nur, dass sie keine Waffen haben. Dafür laufen sie so selbstbewusst durch die ganzen Dealer, Bettler und Nutten, als wären sie selber Waffen auf zwei Beinen.  
Aysha und Paul grinsen sich an.  
Und ich merke schon, die haben eine Idee.