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# DreiNull 13 - Eva
- URL: https://dreinull-roman.ghost.io/dreinull-13-eva/
- Published: 2026-09-23T07:00:09.000Z
- Updated: 2026-09-27T15:56:57.000Z
- Author: Thomas Heinemann

**13 - Eva:**

Also, heute zahlt Aysha.  
Wir einigen uns auf Mate und Aysha will gerade bestellen, als sich plötzlich ein tätowierter Bodybuilder, ich schätze mal aus dem Maghreb mit den Worten „Ein Iso, Zitrone“ vordrängelt.  
Für solche Herren hat Aysha ein besonderes Faible und natürlich auch das absolute Händchen.  
Sie piekt ihm mit dem Zeigefinger in den Bizeps und macht ihn höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam, dass eigentlich wir an der Reihe wären. Der Muskelberg aus dem Atlasgebirge schaut erstaunt nach unten, also zu Aysha, und macht es kurz und knapp. Korrekte Grammatik wäre in einer solchen Situation nur unnötiger Ballast.  
„Hast du Problem, Schwester?“  
Aysha schaut ihn an, überlegt kurz und sagt dann:  
„Ein Problem hätte ich nur, wenn du mein Bruder wärst.“  
Der Muskelberg muss nachdenken. Man sieht richtig, wie es in ihm arbeitet. War das jetzt ein Witz? Oder eine Unverschämtheit?  
„Egal, ein Iso, Zitrone!“  
Der schüchterne und für ein Fitnessstudio viel zu schmächtige Typ hinter der Theke bläst sich eine Haarsträhne aus der Stirn und stellt die Iso-Zitrone-Flasche auf den Tresen. Der Muskelberg legt einen Fünf-Euro-Schein daneben.  
„Stimmt so“, sagt er und geht zu seinen Fans.  
Ein Euro Fünfzig Trinkgeld?  
Das sind fast 43 Prozent! Warum macht der das? Vielleicht geht er davon aus, dass 43 % Trinkgeld bei jedem den Eindruck erweckt, er sei ein wohlhabender Mann. Das erklärt auch, warum sich so viele junge Männer Autos leasen lassen, die preislich mit einem bescheidenen Eigenheim vergleichbar wären.  
Teures Auto, reicher Mann, junges Geld.  
Aysha bestellt zwei Mate und legt einen Fünfer auf den Tresen und der schmächtige Barkeeper nuschelt so was wie „Fünfsechzehn“ und „Pfand“. 16 Cent. Er ist neu hier und will natürlich alles richtig machen.  
Aysha schaut ihn an.  
„Hey, wir exen hier und stellen die Flaschen gleich wieder auf den Tresen“, sagt sie, aber  
der arme Kerl schüttelt den Kopf und stammelt „Kannichnichmachen“. Und ich kann leider nicht aushelfen, weil ich gar kein Geld dabei habe. Also, um genau zu sein, ist mein prekäres Taschengeld schon aufgebraucht. So viel zur finanziellen Lage von Töchtern der oberen Mittelschicht.  
Aysha rollt die Augen, dreht sich vom Tresen weg und entdeckt den tätowierten Muskelberg, der hinten bei den Umkleiden steht und ein paar blassen Anfängern wahrscheinlich erzählt, wie viel Kilo er stemmen kann und welchen exotischen Sportwagen er sich demnächst zu kaufen gedenkt. Aysha beobachtet ihn eine Weile und ich kann am schlauen Leuchten in ihren schönen Augen erkennen, dass da gerade eine originelle Idee in ihrem Kopf entsteht.  
Sie wartet.  
Noch ein bisschen.  
Und jetzt stellt Mister 43 Prozent seine Iso-Zitrone-Flasche hinter sich auf eine Drückbank, hebt beide Arme, stellt sich in Pose und präsentiert stolz ein paar gut austrainierte, vielleicht auch aufgeblasene Muskelgruppen.  
Wozu macht er das schließlich alles hier?  
Das ist Ayshas Moment. Sie ist schnell und lautlos wie eine Katze, schnappt sich die Flasche Iso und verschwindet im Damenklo, bevor der Typ seine Muskeln wieder eingepackt hat.  
Sekunden später kommt Aysha mit der leeren Flasche zurück, stellt sie vor den schmächtigen Barkeeper auf den Tresen und will das Pfand.  
25 Cent gibt’s für die große Flasche.  
Zwei Mate.  
Stimmt so.  
9 Cent Trinkgeld.  
Der Muskelberg aus dem Ahaggar-Gebirge dreht sich um und will einen Schluck trinken. Aber die Drückbank ist leer. 

Seine schöne Iso-Zitrone-Flasche mit den 43 % Trinkgeld ist weg.  
Ich tippe, er hat eine kurze Zündschnur.  
Wetten, dass er gleich explodiert?  
Eins, zwei ...  
Ich taufe ihn Hoggar und die blassen Fanboys weichen erschrocken einen Schritt zurück, als der Vulkan ausbricht.  
Was hat er denn? Ich hake mich bei Aysha unter und jetzt gehen wir boxen.  
Der Tag gehört uns.  
Ein Supertag.  
Nur für Hoggar nicht.  
Der steht alleine neben der Drückbank, ohne Fans, ohne Iso Zitrone.  
Ein echter Scheißtag.